Teamarbeit im handlungsorientierten Lernfeldunterricht
In den Ausbildungsgängen des Gesundheitsbereichs am Schulzentrum Walle hat die Einführung des Lernfeldkonzepts weitreichende Konsequenzen: Handlungsorientiertes Lehren und Lernen in Teams bestimmen den Berufsschulalltag.
Selbststeuerung des Lernprozesses steht im Vordergrund, um den beruflichen Anforderungsprofilen genügen zu können, der Steigerung des Selbstwertgefühls bei den Auszubildenden Raum zu geben.
Für Berufsgruppen mit Patientenkontakt sind sozial- und kommunikative Kompetenzen unerlässliche Voraussetzungen professionellen Handelns, häufig fehlt es an Selbstlern- und Teamkompetenz, an Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Kontinuierliche Begleitung zur Stärkung der Selbstwirksamkeit der Azubis bilden somit Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit am SZ Walle.
Lehrerinnen/ Lehrer-Teams
Die Umstrukturierung des Schulalltags führt auch zu Veränderungen der Lehrerarbeit: Teambildung, Teamteaching, Moderationstätigkeit sind einige Stichworte hierzu. Teamfindungsprozesse, innovative Formen der Beurteilung, Projektverständnis sind notwendige Anforderungen an den „Lernfeld-Lehrer".
Als Voraussetzung für den Lernfeldunterricht haben sich Lehrerinnenteams aus pragmatischen, fächerabhängigen Gründen konstituiert. Die Teams der Lehrkräfte setzen sich aus 3 bis 4 Mitgliedern zusammen. Zu reflektierenden Arbeitszusammenhängen kommt es in den regelmäßigen Teamsitzungen des gesamten Kollegiums: im zweiwöchigen Rhythmus, mit festem Wochentag und Zeitrahmen im Stunden- und Schuljahresplan, um die Teamarbeit bei den Lehrkräften zu verinnerlichen und zu ritualisieren.
Die Lehrerinnenteams entwickeln Unterrichtsbausteine gemeinsam; Organisation und Optimierung des Konzepts werden zum gemeinsamen Ziel, der Prozesscharakter wird initiiert.
Schülerinnen/ Schüler-Teams
Um die Teamfähigkeit als berufsrelevante Kompetenz für die Ausbildungsberufe im Gesundheitsbereich in den Blick zu nehmen hat sich das Kollegium für die Einrichtung von Schülerinnen-/ Schülerteams entschieden. Alle Auszubildenden werden nach dem Zufallsprinzip in drei Teams pro Klasse aufgeteilt; der Unterricht findet mit wenigen Ausnahmen in Teams statt. Die Teams bleiben in der Regel über die gesamte Ausbildungsdauer bestehen.
Kennenlern- und Methodentrainingsphasen mit Teamfindungsübungen stimmen die Azubis in den Lernfeldunterricht ein, sie werden mit Arbeitsaufträgen, Präsentations- und Bewertungskriterien vertraut gemacht. Die Lernsituationen sind berufsbezogen und fächerintegrativ konzipiert. Jedes Schülerteam (6 - 8 Auszubildende) teilt die Arbeit selbstständig auf, jedes Teammitglied ist am Ergebnis beteiligt. Im Sinne der Produktorientierung handlungsorientierter Konzepte ist die Präsentation das favorisierte Instrument, um die Selbstwirksamkeit spürbar zu machen – sowohl aus Sicht der Schülerinnen als auch der Lehrerinnen.
Präsentationen vor dem eigenen Team schaffen Vertrauen in die eigene und die Arbeit des Teams. Klassenpräsentationen ermöglichen die Übertragung der im Team erworbenen Kompetenzen auf teamübergreifende Arbeitsprozesse.
Lernfeldnoten setzen sich aus Präsentations-, Team- und Mitarbeitsnoten sowie Klausurnoten zusammen. Feedback-Runden geben Aufschluss über Selbsteinschätzungen und dienen der Entwicklung von Arbeitsperspektiven.
In den Klassen wird der Teamfindungsprozess von allen Lehrkräften unterstützt; das erfordert die ständige Kooperation des Lehrerinnen-Teams. Transparente Lehrerinnen-Team-Kooperationen dienen den Schülerinnen als Vorbild. Je weiter sich die Teamidentifikation bei den Schülerinnen etabliert hat, desto unproblematischer gestalten sich teamübergreifende Arbeitsprozesse und die Anwendung erlernter Teamkompetenzen.
Diesen Schluss ziehen Lehrkräfte, Schülerinnen sowie Ausbilderinnen und Ausbilder.
Teamstrukturen finden sich am SZ Walle auf allen Ebenen des Schulalltags.
Erika Hötte
Abteilungsleiterin der dualen Bildungsgänge des Gesundheitsbereichs
